Ludwig-Thoma-Volksschule
Eines der bekanntesten Gebäude im Stadtbild von Dachau
Wer mit dem Auto von München nach Dachau kommt, dessen Blick bleibt an dem markanten Gebäude mit den vielen Sprossenfenstern hängen, an der Thoma-Schule.
Die „Kirchenschule“ neben St. Jakob war als Knabenschule für ganz Dachau bereits Anfang der zwanziger Jahre zu klein, 50 Buben und mehr saßen in den einzelnen Klassen. Die Stadt stellte 1920/21 auf der Thoma-Wiese eine Schulbaracke mit sechs Klassenzimmern auf. Lehrer und Schüler hatten unter unzumutbaren hygienischen Verhältnissen zu leiden; 1933 diente die Baracke zusätzlich noch als HJ-Heim, und die Thoma-Wiese wurde zum „Appellplatz für die gesamte Dachauer Hitler-Jugend, wo Aufmärsche, Gelöbnisse, Weihestunden… und sportliche Wettkämpfe stattfanden“ (Richardi, Zeitgeschichtsführer).
Der Dachauer Architekt Josef Kain erhielt schließlich den Auftrag zur Planung einer zeitgemäßen, großen Schule mit geräumigen Klassensälen. Der Bau schritt unter Beteiligung vieler Dachauer Firmen von 1929 an zügig voran, so dass zu Schuljahresbeginn 1930 bereits Lehrer und Schüler einziehen konnten. Die Einweihung fand am 31. März 1931 durch Prälat Pfanzelt statt, der erste Schulleiter war Josef Vilsmeier.
Die Kriegsjahre überstand das Gebäude ohne Schäden, im Schularchiv aber waren nach dem Zweiten Weltkrieg kaum noch Akten zu finden, so dass die in der Schule vorhandene Chronik fast nichts über die Jahre vor 1945 berichten kann. Nach dem Einmarsch am 27./28. April 1945 nutzten die Amerikaner zwei Jahre lang die Schule; die Knabenklassen wurden wieder ausgelagert. Als Schulleiter fungierte der spätere Dachauer Schulrat Johann Hägler bis 1947, sein Nachfolger war Josef Bernrieder. Mit Schuljahresbeginn 1947/48 konnte die Knabenschule und die neu in Dachau eingerichtete evangelische Schule mit 12 Klassen für Buben und Mädchen unter der Leitung von Kassakowski den Betrieb aufnehmen. Die Verhältnisse der Nachkriegszeit waren durch heute kaum vorstellbare Notsituationen gekennzeichnet. So bedingte etwa der kalte Winter im Januar und Februar 1947 wegen unzureichender Heizung eine drastische Unterrichtskürzung auf zwei Stunden an jedem zweiten Tag und sechs Wochen Kohleferien.
Ab 1952 musste die Schule eine Filiale der Ludwigs-Oberrealschule in München aufnehmen, eine weitere Klasse kam im Wirtshaus Kraisy unter. 1953 stellte das Kultusministerium der Stadt ein Ultimatum, in der Knabenschule weitere Räume für die Oberrealschule zur Verfügung zu stellen oder die Volksschule werde anderweitig untergebracht. Erfolgreich wehrten sich Eltern und Lehrer mit Unterschriftenaktionen dagegen. Zwei Klassen blieben bis zur Einweihung des ersten, sechsklassigen Dachauer Gymnasiums, des heutigen ITG, im Dezember 1958 in der Thoma-Schule eingelagert.
1957 übernahm Jakob Nadler als Nachfolger von Rektor Bernrieder die Leitung der katholischen Knabenschule mit 16 Klassen. Besondere Erschwernisse brachten weiterhin die 12 eingelagerten Klassen der evangelischen Schule, 14 Klassen der gewerblichen Berufsschule im Nebengebäude und 6 Klassen der landwirtschaftlichen Berufsschule mit sich. Am 3.9.1960 erfolgte auf dem Nachbargrundstück die Einweihung der Verbandsberufsschule, wodurch das Gebäude der Gewerbeschule der Thoma-Schule zur Nutzung überlassen wurde, so dass endlich kein Schichtunterricht mehr notwendig war.
1969 übernahm mit Einführung der bayernweiten Schulreform Reinhard Sikora als Nachfolger von Rektor Owandner die Schulleitung. Die Betreuung vieler ausländischer Schüler war ein großes Anliegen des Schulleiters. Bis 1978 waren griechische Klassen zu versorgen, dann bis zum Schuljahr 1995/96 zweisprachige Klassen für Türken. Rektor Sikora erreichte – noch vor seiner Versetzung als Schulrat nach München im Jahre 1978 – den Neubau einer Sporthalle mit Hartplatz auf der Thoma-Wiese.
Schulleiter
der kath. Knabenschule
Josef Vilsmeier 1931 – 1945
Johann Hägler 1945 – 1947
Josef Bernrieder 1948 – 1956
Jakob Nadler 1957 – 1964
Karl-Felix Owandner 1964 – 1969
der evangelischen Bekenntnisschule
Horst Kassakowski 1947 – 1948
Ernst Obst 1948 – 1949
Emil Weth 1950 – 1966
August Reitmayr 1966 – 1969
der Hauptschule
Reinhard Sikora 1969 – 1978
Hans Jegl 1979 – 1983
Franz Tauß 1983 – 1986
Siegfried Wohlschlägl 1986 – 2002
Irmgard Heinzinger 2002 – 2010
der Mittelschule
Anja Ruhle ab 1.8.2010
(Beitrag (bearbeitet) entnommen aus Wohlschlägl, S. in Schläger, J.: Die Volksschulen im Landkreis Dachau 1998)